
Die Preisermittlung
Die Ermittlung eines Preises für ein altes Spielzeug ist immer auch ein Stück Emotionalität. Schließlich gilt, was der Käufer bereit ist, für das ersehnte Modell auszugeben. Auf der anderen Seite ist es auch eine subjektive Angelegenheit, unter welchen Bedingungen ein Verkäufer sich von seinem Sammlungsobjekt trennt.
Aus diesem Grunde sind die folgenden Ausführungen ein sachlicher Leitfaden, der helfen soll, sich bei dem Pocher-Modell 802-2/3 der Rekordlok CC 7107 zu orientieren. An dieser Stelle soll erwähnt werden, daß die Gleich- und die Wechselstrom-Ausführung keinen Einfluss auf den Preis hat.
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Kann man nach einem solchen Bild eine Lok kaufen? |
Manchmal werden bei Online-Auktionen Loks mit nur einem Bild und unzureichender Beschreibung angeboten. Hierbei handelt es sich in der Regel nicht um Sammlerstücke, sondern um Modelle, die zum Fahren geeignet sind. Wir beobachten den Markt schon seit Jahren und können ziemlich sicher behaupten, daß die wenigen handverlesenen Top-Sammlerstücke fast ausschließlich über Auktionen oder eben direkt gehandelt werden.
Das Risiko Zinkpest
Für die erwähnte Entwicklung gibt es einen einfachen Grund, den uns sowohl Käufer als auch Verkäufer bestätigt haben. Es besteht eine hohe Warscheinlichkeit, daß die angebotenen Pocher Loks sichtbare oder auch bisher noch nicht offensichtliche Zinkpestschäden hat.
Weitere Informationen über die Zinkpest finden Sie hier...
Dieser Umstand führt einerseits zu einer Kaufzurückhaltung, die sich natürlich im Preis niederschlägt, andererseits ist es für Händler nicht interessant, hier gute Stücke anzubieten, die ihren Preis nicht erzielen. Deshalb erzielen hervorragende Stücke beim Direktverkauf fast immer einen reelen Preis, denn sie sind unter Sammlern gesucht. Das gilt auch für Modelle, deren Gußteile durch hochwertige Replikate ersetzt wurden. Hier ist es von Vorteil, wenn dies dokumentiert ist. Bei Online-Auktionen hingegen kann man zu vernünftigen Konditionen Fahrmodelle oder Restaurationsobjekte ersteigern. Das "Sahnestück" allerdings ist dort so selten wie ein hoher Lottogewinn.
Um die Lok bewerten zu können, muß man drei Komponenten getrennt betrachten:
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Bewertung der Loksubstanz
Zur Bewertung der Loksubstanz werden die Gußkomponenten nicht berücksichtigt. Die Begründung hierfür liegt in dem Umstand, daß die Zinkpest bzw. das aktuelle Stadium des Zerfalls nicht auf den eigentlichen Zustand des Modells schliessen läßt. Das gilt besonders für die Betriebsfähigkeit der Lok, da diese durch Verzüge der Gußteile oder durch Verharzung aufgrund langer Lagerzeiten oft nicht mehr gegeben ist. Auch sind vielfach einzelne Bauteile verloren gegangen. Fehlteile in gutem Zustand sind entsprechend der Liste in Abzug zu bringen. Der Wert von Teileträgern gestaltet sich entsprechend der angebotenen Substanz.
mint |
absolut neuwertig, keine Fehlteile |
€700 |
sehr gut |
leichte Benutzungsspuren an Pantografen, Radsätzen, Kollektor, saubere und tadellose Zahnräder, keine Fehlteile oder Abbrüche |
€500 |
leicht bespielt |
offensichtliche Gebrauchsspuren aber insgesamt guter Zustand, keine Fehlteile oder Abbrüche |
€350 |
bespielt |
deutliche Gebrauchsspuren, kleine Farbschäden, Korrosion an den Griffstangen, keine Fehlteile |
€250 |
stark bespielt |
starke Abnutzungs- und Gebrauchsspuren an Gehäuse, Antriebskomponenten, Schleifern und Radsätzen, keine Fehlteile |
€150 |
Einzelteile: |
Gehäuse, gut |
€100 |
|
Pantograf, Paar, gut |
€ 50 |
|
Rekordschilder, Paar |
€ 15 |
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Puffer, Paar |
€ 10 |
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Radsatz m. Zahnrad |
€ 15 |
|
Radsatz o. Zahnrad |
€ 10 |
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Fliehkraftkupplung |
€ 80 |
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Motor unvollständig |
€ 50 |
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Mittelschleifer bei 3-Leiter |
€ 15 |
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Gleichrichter bei 2-Leiter |
€ 20 |
|
Stift für Ober-/Unterleitungsberieb |
€ 10 |
|
Kupplungen |
€ 15 |
a
Bewertung der Guß-Komponenten
Pocher hat für die CC 7107 acht Zinkguß-Komponenten verbaut. Das Gewicht über der Antriebsachse ist aus einer Blei-Legierung und somit dem Verfall nicht preisgegeben. Betroffen hingegen sind die beiden seitlichen "331 km/h Rekordschilder, sofern sie nicht aus Messing gefertigt sind. Details über das Thema Zinkpest haben wir an anderer Stelle eingehend erläutert. Die Ursache für derartige Schäden ist in der schlechten Materialqualität, welche in den 1960er Jahren für die Guß-Legierungen verwendet wurde, zu suchen. Da es sich bei den Guß-Komponenten nicht um handwerklich erstellte Unikate handelt, können diese heute gegen Replikate, die in Material, Form und Lackierung den Originalen entsprechen, ausgetauscht werden. Nach einer solchen Repartur ist das Risiko eines neuerlichen Zerfalls ausgeschlossen. Deshalb wird diese Lok entsprechend höher zu bewerten sein. Grundsätzlich schlägt sich das Stadium bzw. der Grad des Zerfalls nicht in der Bewertung nieder. Ist die Zinkpest an einer Stelle offensichtlich, so gelten Rahmen und Drehgestelle komplett als beschädigt. Nach Bestimmung des Wertes der Loksubstanz sind für die Zink-Komponenten folgende Faktoren in Anrechnung oder Abzug zu bringen:
alle Guß-Komponenten augenscheinlich schadenfrei |
je nach Zustand der Lackierung + € 80 bis + € 120 |
Risse, Abbrüche oder Zerfall an einzelnen Komponenten, sichtbare Reparaturen etc. |
keine Bewertung der Gußkomponenten |
Austausch der Guß-Komponenten durch hochwertige Repliken in Original-Qualität |
bei Dokumentation oder nachweislichem Austausch + € 300 |
a
Bewertung der Verpackung
Die Verpackung mit dem entsprechenden Zubehör haben wir in unserer Bestandsaufnahme detailliert beschrieben. Für ein hochwertiges Sammlerstück muß all dies vorhanden sein - in einem neuwertigen, vollständigen Zustand. das gilt besonders für das Naßschiebebild auf der Box.
mint |
blau,absolut neuwertig, keine Fehlteile |
€100 |
mint |
rot,absolut neuwertig, keine Fehlteile |
€150 |
gut |
blau, leichte Gebrauchsspuren, keine Fehlteile |
€ 70 |
gut |
rot, leichte Gebrauchsspuren, keine Fehlteile |
€ 90 |
gebraucht |
offensichtliche Benutzungsspuren, keine Schäden, Papiere vorhanden |
€ 30 |
gebraucht |
offensichtliche Benutzungsspuren, keine Schäden, Papiere vorhanden |
€ 50 |
Einzelteile |
Box blau, leer, gut |
€ 10 |
|
Box rot, leer, gut |
€ 30 |
|
Kontaktbrücke |
€ 18 |
|
Siegel, gut |
€ 10 |
|
Betriebsanleitungen |
€ 15 |
a
Berechnungsbeispiele
Lok 1:
Die Lok befindet sich in bespieltem Zustand, mit der Box ist man nicht sehr gut umgegangen, so daß sie offensichtliche Benutzungsspuren aufweist und die Betriebsanleitungen fehlen. Das Gußteile zeigen ebenfalls Gebrauchsspuren, haben aber augenscheinlich keine Zerfallsspuren.
Substanz bespielt |
+ € 250 |
Gußteile ohne sichtbaren Zerfall, Gebrauchsspuren |
+ € 90 |
Verpackung gebraucht |
+ € 30 |
fehlende Betriebsanleitungen |
- € 15 |
Wert der Lok |
€ 355 |
a
Lok 2:
Bei diesem Beispiel handelt es sich um ein Sammlerstück, welches nur ab zu einmal für Probefahrten aus der neuwertigen Box genommen wurde. Die Drehgestelle sind offensichtlich durch die Zinkpest zerstört. Die Gehäuseschrauben wurden herausgedreht, um Brüche am Aufbau zu vermeiden.
Substanz sehr gut |
+ € 500 |
Drehgestelle Zinkpestschaden |
€ 0 |
Verpackung gut |
+ € 70 |
Wert der Lok |
€ 570 |
a
Lok 3:
Hierbei handelt es sich um eine bespielte Lok, gereinigt, überholt und technisch einwandfrei. Die Gußteile wurden gegen neuwerige Replikate ersetzt. Keine Box.
Substanz bespielt, aufgearbeitet |
+ € 250 |
Gußteile gegen hochwertige, den Originalen entsprechende Replikate ersetzt |
+ € 300 |
Verpackung fehlt |
+ € 0 |
Wert der Lok |
€ 550 |
a
Lok 4:
Eine stark bespielte Lok, augenscheinlich ohne Zinkpestschäden und fahrbereit. Ein Pantograf ist gebrochen. Die seitlichen "Rekordschilder" und 2 Puffer fehlen. Dazu gehört eine leere Box.
Substanz stark bespielt |
+ € 150 |
Gußteile ohne sichtbaren Zerfall, starke Gebrauchsspuren |
+ € 80 |
Box |
+ € 10 |
defekter Pantograf |
- € 25 |
fehlender Schilder |
- € 15 |
fehlende Puffer |
- € 10 |
Wert der Lok |
€ 190 |




